Fragt man Gefirmte Jahre später, woran sie sich aus der Firmvorbereitung erinnern, ist die Antwort selten eine Gruppenstunde. Es ist das Wochenende: die Nachtwanderung, das Gespräch um Mitternacht, der Gottesdienst am Sonntagmorgen in einer fremden Kapelle. Genau deshalb lohnt sich der Aufwand, und genau deshalb darf die Organisation das Erlebnis nicht auffressen. Dieser Leitfaden führt vom ersten Planungsschritt bis zur Rückfahrt und nimmt die Punkte vorweg, an denen es erfahrungsgemäß hakt: Anmeldung, Verpflegung, Aufsicht, Kosten.
Was ein Firmwochenende leisten soll
Bevor Haus und Termin gesucht werden, sollte das Team eine Frage beantworten: Wozu fahren wir? Die Antworten unterscheiden sich, und sie bestimmen Programm, Ort und Länge.
- Gemeinschaft: Die Firmlinge kennen sich aus verschiedenen Schulen kaum. Das Wochenende macht aus Gruppen eine Gemeinschaft. Dann zählen gemeinsame Aufgaben, Spiele, Kochen, Abende.
- Vertiefung: Ein Thema der Vorbereitung, etwa Heiliger Geist, Berufung oder Glaubensbekenntnis, bekommt Zeit und Ruhe, die eine Gruppenstunde nicht hat. Dann zählen Einheiten, Stille, Gottesdienst.
- Entscheidung: Kurz vor der Firmung wird das Wochenende zum Ort, an dem jeder Firmling sein Ja überprüft. Dann zählen Einzelgespräche, Firmspruch, Versöhnung.
Die meisten Konzepte legen das Wochenende in die Mitte der Vorbereitung, also drei bis vier Monate vor der Firmung: früh genug für Gemeinschaft, spät genug für Vertiefung. Eine Übernachtung mit zwei Tagen ist der häufigste Rahmen; zwei Nächte sind ergiebiger, aber teurer und für das Team anstrengender.
Zeitplan: Sechs Monate rückwärts
| Wann | Was |
|---|---|
| 6 bis 9 Monate vorher | Ziel und Termin festlegen (Schulferien, Prüfungszeiten, Feiertage prüfen), Haus anfragen und reservieren, Kostenrahmen und Zuschuss (Pfarrei, Bistum, Jugendring) klären |
| 3 bis 4 Monate vorher | Team einteilen (Richtwert eine Betreuungsperson je acht bis zehn Jugendliche, mindestens zwei Erwachsene, beide Geschlechter im Team), Programm grob, Fahrt organisieren (Bus, Fahrgemeinschaften, Bahn) |
| 8 Wochen vorher | Elternbrief mit Anmeldung, Kosten, Packliste, Einwilligungen; Anmeldeschluss setzen |
| 6 Wochen vorher | Anmeldeschluss, Nachfassen bei fehlenden Anmeldungen, Teilnehmerzahl an Haus und Küche melden |
| 3 Wochen vorher | Programm fertig, Material besorgen, Ernährungs- und Allergieliste an die Küche, Zimmereinteilung, Fahrtliste |
| 1 Woche vorher | Erinnerung an Familien (Treffpunkt, Uhrzeit, Packliste), Notfallkontakte und Gesundheitshinweise für die Leitung zusammenstellen, Erste-Hilfe-Kasten prüfen |
| Am Tag | Anwesenheit bei Abfahrt erfassen, Handynummer der Leitung an alle Eltern, Rückkehrzeit bestätigen |
| Danach | Fotos nur nach Einwilligung teilen, Rückmeldung im Team, Abrechnung, Gesundheitsdaten löschen |
Die Anmeldung zum Firmwochenende
Die Anmeldung zur Firmung liegt Monate zurück, und vieles hat sich geändert: neue Handynummer, neue Allergie, getrennte Eltern. Deshalb braucht das Wochenende eine eigene Anmeldung, auch wenn die Teilnahme Pflicht ist. Sie erfüllt drei Zwecke: verbindliche Zahl für Haus und Küche, aktuelle Kontakt- und Gesundheitsdaten, Einwilligungen für die Fahrt.
Was hineingehört:
- Name des Firmlings und der Firmgruppe, Bestätigung der Teilnahme
- Aktuelle Handynummer des Firmlings und der Erziehungsberechtigten, Notfallkontakt für das Wochenende mit Erreichbarkeit
- Ernährung (vegetarisch, vegan, Fleisch) und Unverträglichkeiten, ausdrücklich freiwillig und nur für dieses Wochenende
- Gesundheitshinweise: Medikamente, die eingenommen werden, Einschränkungen (Schwimmen, Wandern), ebenfalls freiwillig
- Einwilligungen: Teilnahme an Aktivitäten wie Schwimmen oder Nachtwanderung, Foto- und Videoaufnahmen, ggf. Heimfahrt allein
- Kostenbeitrag und Hinweis auf Ermäßigung („Sprechen Sie uns an, niemand bleibt aus finanziellen Gründen zu Hause")
- Unterschrift eines Erziehungsberechtigten
Ein Anmeldeschluss sechs Wochen vorher ist realistisch. Danach ist Nachfassen nötig, denn die Küche braucht die Zahl. Wer die Anmeldung online abwickelt, kann den Anmeldeschluss technisch setzen und erreicht alle Angemeldeten mit einer Rundmail für die Erinnerung eine Woche vorher. Wie eine Anmeldung datenschutzkonform gestaltet wird, steht im Artikel Anmeldung zur Firmung organisieren; die Regeln gelten für das Wochenende genauso.
Verpflegung, Allergien, Medikamente
Wer für dreißig Jugendliche kocht, muss vier Zahlen kennen: Wie viele essen Fleisch, wie viele vegetarisch, wie viele vegan, und bei wie vielen ist es unbekannt. Die letzte Zahl sollte vor der Abfahrt bei null stehen. Dazu kommt die Liste der Unverträglichkeiten mit Namen, denn „jemand hat eine Nussallergie" hilft am Buffet niemandem.
Allergien und Medikamente sind Gesundheitsdaten und damit besonders geschützt (§ 11 KDG). Drei Regeln:
- Nur freiwillig erheben, mit klarer Begründung im Formular („für Verpflegung und Aufsicht auf dem Firmwochenende")
- Nur die Personen sehen die Liste, die sie brauchen: Küche und Leitung, nicht die ganze Helferrunde
- Nach dem Wochenende löschen, es sei denn, die Angabe ist für weitere Fahrten im selben Jahrgang nötig
Medikamente nimmt der Jugendliche in der Regel selbst; die Leitung weiß, dass es sie gibt und wo sie sind. Die Verabreichung durch Betreuer braucht eine ausdrückliche schriftliche Absprache mit den Eltern.
Aufsicht, Prävention, Notfall
Die Aufsichtspflicht liegt während des Wochenendes bei der Pfarrei und wird vom Team ausgeübt. Was das konkret heißt, regeln die Präventionsordnungen der Bistümer, und die Grundsätze sind überall ähnlich:
- Team: Als Richtwert eine Betreuungsperson je acht bis zehn Jugendliche und nie weniger als zwei Erwachsene, beide Geschlechter vertreten, alle mit erweitertem Führungszeugnis und Präventionsschulung. Wie Pfarreien das organisieren, steht im Ratgeber zum Führungszeugnis im Ehrenamt.
- Nähe und Distanz: Kein Betreuer allein mit einem Jugendlichen in einem geschlossenen Raum, keine gemeinsamen Schlafräume von Betreuern und Jugendlichen, Regeln für Fotos und Handys vorher besprochen.
- Verhaltenskodex: Die Regeln des Hauses und des Wochenendes (Alkohol, Nachtruhe, Handy) werden am ersten Abend mit den Jugendlichen besprochen, nicht nur vorgelesen.
- Notfall: Die Leitung hat für jeden Firmling einen erreichbaren Notfallkontakt griffbereit, dazu die Gesundheitshinweise. Nächstes Krankenhaus, Notdienst und der Weg dorthin sind vorher geklärt. Ein Ersthelfer im Team ist Pflicht.
- Kommunikation mit den Eltern: Eine Nummer der Leitung für alle Eltern, eine kurze Nachricht bei Ankunft und vor der Rückfahrt. Das erspart die zwanzig Anrufe am Samstagabend.
Programm: Rhythmus statt Vollprogramm
Ein Wochenende von Freitagabend bis Sonntagmittag hat etwa zwölf gestaltbare Stunden. Erfahrene Teams füllen davon höchstens acht mit Programm. Ein bewährter Rhythmus:
- Freitag: Ankommen, Zimmer, gemeinsames Essen, Kennenlernen mit Bewegung, Regeln, kurzer Abendimpuls. Kein Thema mehr, die Jugendlichen sind nach der Schulwoche müde.
- Samstagvormittag: Die inhaltliche Einheit, 90 Minuten mit Methodenwechsel. Danach freie Zeit.
- Samstagnachmittag: Aktion draußen (Wanderung, Geländespiel, soziale Aktion im Ort) oder Werkstätten zur Wahl.
- Samstagabend: Das Herz des Wochenendes: Feuer, Nachtwanderung, Taizé-Gebet oder eine Versöhnungsfeier. Danach bewusst Zeit ohne Programm.
- Sonntag: Gottesdienst, gern mit Beteiligung der Firmlinge; Rückblick; Aufräumen als gemeinsame Aufgabe.
Kosten und Finanzierung
Ein Wochenende mit einer Übernachtung kostet je Teilnehmer meist zwischen 40 und 90 Euro für Haus und Verpflegung, dazu die Fahrt. Viele Pfarreien tragen einen Teil aus dem Etat der Firmvorbereitung, Bistümer und Jugendverbände bezuschussen Jugendfreizeiten nach Antrag. Der Elternbeitrag sollte im ersten Brief stehen, zusammen mit dem Satz, dass niemand aus finanziellen Gründen fehlen muss und die Leitung vertraulich ansprechbar ist. Diese Ansprache ist wichtiger als der Betrag.
Checkliste: Firmwochenende planen
- Ziel des Wochenendes im Team geklärt (Gemeinschaft, Vertiefung, Entscheidung)
- Termin gegen Ferien, Prüfungen und Pfarreikalender geprüft
- Haus reserviert, Kapazität, Kapelle oder Andachtsraum, Küche geklärt
- Kostenrahmen, Elternbeitrag und Zuschüsse festgelegt
- Team eingeteilt: Betreuungsschlüssel, Geschlechter, Führungszeugnisse, Präventionsschulung, Ersthelfer
- Elternbrief mit Anmeldung, Einwilligungen, Kosten, Packliste verschickt, Anmeldeschluss gesetzt
- Fahrt organisiert, Fahrtliste erstellt
- Ernährungs- und Allergieliste an die Küche, Unbekannt auf null
- Notfallkontakte und Gesundheitshinweise für die Leitung griffbereit, Krankenhaus und Notdienst geklärt
- Programm mit Zeiten, Material und Verantwortlichen, freie Zeiten eingeplant
- Zimmereinteilung nach Regeln der Präventionsordnung
- Eine Leitungsnummer an alle Eltern, Ankunfts- und Rückfahrtnachricht vereinbart
- Anwesenheit bei Abfahrt und Ankunft erfasst
- Nachbereitung: Team-Rückblick, Abrechnung, Fotos nur mit Einwilligung, Gesundheitsdaten gelöscht
Quellen und weiterführende Links
- Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (2019) und die Präventionsordnungen der Bistümer, dbk.de
- Gesetz über den Kirchlichen Datenschutz (KDG), § 11 (besondere Kategorien personenbezogener Daten)
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 1631 (Personensorge, Aufsicht), gesetze-im-internet.de
- Zeitplan der gesamten Vorbereitung: Firmvorbereitung organisieren